Expressionismus und klassische Moderne. Die Sammlung Ziegler.
Heckel © Nachlass Erich Heckel, Hemmenhofen
Erich Heckel
Seit den späten 1950er Jahren hat der Mülheimer Chemiker und Nobelpreisträger Karl Ziegler (1898-1973) zusammen mit seiner Frau Maria eine hochkarätige Sammlung zur Kunst des Expressionismus und der klassischen Moderne aufgebaut, die zu den bedeutendsten der Region zählt und im Mülheimer Kunstmuseum beheimatet ist. Die nachfolgende Generation der Familie Ziegler setzt das Engagement für die Malerei des Expressionismus fort und bereicherte die 2002 in eine selbstständige Stiftung überführte Sammlung durch private Zukäufe bis auf den heutigen Tag, so dass der ursprüngliche Bestand mehr als verdoppelt werden konnte. Ein großer Teil der Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen befindet sich noch in privater Hand und wird den musealen Bestand erst in Zukunft dauerhaft ergänzen.
Erstmalig nun wird der gesamte Sammlungskomplex in einer Auswahl von rund 90 Bildern gezeigt, die im Strahlungsfeld von „Brücke“, „Bauhaus“ und „Blauer Reiter“ entstanden sind, darunter auch die Werke aus Privatbesitz, die bislang noch nicht zu sehen waren. Die Ausstellung gewährt einen sehr persönlichen Einblick in die Malerei des frühen 20. Jahrhunderts und zeichnet mit den eher hellen und intimen Werken der Künstler ein Gegenbild zu der oft pessimistischen und eifernden Stimmung der Moderne. Die Sammlung umfasst Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen u.a. von Max Beckmann, Lovis Corinth, Otto Dix, Lyonel Feininger, Erich Heckel, Karl Hofer, Alexej Jawlensky, Ernst Ludwig Kirchner, Paul Klee, August Macke, Franz Marc, Otto Mueller, Emil Nolde, Paula Modersohn-Becker und Karl Schmidt-Rottluff.
Der deutsche Neurologe Wilhelm Erb diagnostizierte um 1900 eine Volkskrankheit, die auf die Dynamik des zivilisatorischen Fortschritts zurückzuführen sei. Als Symptome beschreibt er u.a. die Zunahme des Straßenverkehrs, weltumspannende Drahtnetze, politische und finanzielle Krisen, Wahlagitationen, Genusssucht und aufdringlichen Lärm. Die Reaktionen der Expressionisten auf die moderne Lebenswelt waren sehr unterschiedlich. Während die einen Entfremdung und Gewalt thematisierten, ging es den anderen darum, bürgerlichen Konventionen und großstädtischer Nervosität zumindest vorübergehend zu entfliehen. Dem Mysterium des ursprünglichen Lebens in jeder Beziehung nahe zu kommen, war ihr erklärtes Ideal und schließlich auch der Grund dafür, warum die meisten Künstler der lauten Großstadt auch auf Dauer den Rücken kehrten. Die Orte der Sehnsucht lagen dann nicht mehr in Dresden, Berlin, München oder Paris, sondern in den Bergen, auf dem Land, an den Küsten oder gar in fernen Kontinenten. Dort fanden die „Wilden Deutschlands“ die ersehnte „Kraft zur inneren Stille [...] im tosenden Lärm jener Zeit“ (Franz Marc), um gegen Materialismus und individuelle Unfreiheit anzumalen.
Ausdruckstiefe und formale Vereinfachung waren bei aller Unterschiedlichkeit der Künstler das gemeinsame Kennzeichen, wobei u.a. archaische Artefakte, Kinderzeichnungen, gotische Holzschnitte und altrussische Buchillustrationen als Vorbilder herangezogen wurden. Getragen von dieser Einmütigkeit, begannen die Künstler - inspiriert von den wegweisenden Malern der französischen Avantgarde - die Farbe endgültig von der Naturwirklichkeit abzulösen und im strahlenden Eigenleben des Kolorits nach einem neuen Umgang mit der Form zu suchen. Bei den vielfältigen Wahlverwandtschaften, die sich auch in Gruppenzusammenschlüssen, gemeinsamen Reisen und langjährigen Freundschaften widerspiegeln, kann es kaum verwundern, dass die Künstler auch in der Wahl ihrer Themen eng miteinander verbunden waren. Einige gewinnen im Kontext der Sammlung deutliche Konturen und können mit den Schlagworten „Entdeckung der Kindheit“, „Triebkräfte der Natur“, „Im Bildkreis der Tiere“, „Auf großer und kleiner Fahrt“ und „Im Rhythmus der Landschaft“ umschrieben werden. Über die Sammlungspräsentation hinaus soll versucht werden, thematische Schnittmengen offen zu legen, zugleich aber auch die Verschiedenartigkeit der jeweiligen Positionen über das vergleichende Sehen anschaulich hervortreten zu lassen.
Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr in der Alten Post
mit Stiftung Sammlung Ziegler
Synagogenplatz 1
D-45468 Mülheim an der Ruhr
Tel.: 0208 /455 41 38 (Museumskasse)
Fax: 0208 /455 41 34
E-Mail: kunstmuseum(at)stadt-mh.de
www.kunstmuseum-mh.de
Ausstellung:
Vom 10.9. bis 7.11.2010
Öffnungszeiten:
Vom 10.9. bis 7.11.2010
DI, MI, FR 11 bis 17 Uhr, DO 11 bis 21 Uhr
SA, SO sowie Feiertage 10 bis 17 Uhr
MO geschlossen
Eintrittspreise:
3,00 €/ermäßigt 1,50 €
Anfahrt: in unmittelbarer Nähe zum Hbf (ca. 5 Min. zu Fuß), mit dem PKW Parkmöglichkeiten im Zentrum
Sonderführung durch die Ausstellung:
jeweils um 11 Uhr,
Treffpunkt: Foyer des Museums:
19. und 26. September, 3., 10. und 31. Oktober und 7. November 2010
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Erstmalig nun wird der gesamte Sammlungskomplex in einer Auswahl von rund 90 Bildern gezeigt, die im Strahlungsfeld von „Brücke“, „Bauhaus“ und „Blauer Reiter“ entstanden sind.
© Stiftung Sammlung Ziegler
August Macke
1981 stiftete das Ehepaar Karl und Maria Ziegler seinen bedeutenden Kunstbesitz expressionistischer Gemälde und Papierarbeiten dem Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr.
Die Sammlung des Nobelpreisträgers und seiner Frau, die im Laufe von 30 Jahren entstanden ist, ergänzt und bereichert den Sammlungsbestand des Museums auf einzigartige Weise. Sie verstärkt schon vorhandene Akzente und fügt neue hinzu.
In den Erwerbungen zeigen sich die Vorlieben der Sammler für den Rheinischen Expressionismus und die eher heiteren Arbeiten von Macke, Marc und Purrmann sowie ihr besonderer Blick für Heckel und vor allem für die farbenprächtigen Blumenbilder von Emil Nolde, des weiteren Max Beckmann, Otto Mueller und Karl Schmidt-Rottluff.
www.sammlung-ziegler.de ![]()